es ist Weihnachtszeit und so manch einer fragt sich erstaunt: schon wieder? Eben haben wir doch noch den tollen Karnevalsumzug gesehen, waren bei der Walpurgisnacht auf dem Schloss dabei, haben beim Florianstag auf dem Château-Landon-Platz gesessen, die Maibäume aufgestellt und am Brunnen in Langenthal gefeiert. Unsere Kinder haben tolle Ferienspiele mit Zirkus erlebt. Wir haben die Gäste aus unserer Partnerstadt begrüßt und die Konzerte genossen, Klassik ebenso wie Pop. Wir haben das Ritterfest gefeiert und die Kürbiswochen, der Toten gedacht und die Lichter in den Adventsfenstern angezündet. Und noch viel, viel mehr.

Und jetzt ist alles das schon wieder Vergangenheit. Einige Aufgaben liegen noch vor uns. Gerne hätte ich in diesem Jahr noch das alte Schulgebäude der Neckartalschule an die Vereine übergeben, aber bürokratische Hemmnisse sorgten leider wieder für Verzögerungen. Für den Stöckbergweg sind noch weitere Prüfungen nötig, bevor er wieder freigegeben werden kann. Dafür hat Langenthal mit der anstehenden Flurneuordnung eine gute Perspektive als lebendiges Dorf. Auch der Radweg zwischen Langenthal und Hirschhorn kann damit realisiert werden.

Die Wirtschaft in Hirschhorn hat ein stabiles Jahr hinter sich. Die Zahl der Arbeitsplätze und die Einwohnerzahl schwanken nur im üblichen Rahmen. Auch der Tourismus ist auf einem guten Weg, nicht zuletzt durch die Aktivitäten der Gastronomen und durch den Neckarsteig. Hier erwarten wir auch im kommenden Jahr deutliche Impulse – nicht zuletzt durch die Wiedereröffnung des Museums und den neu gestalteten Uferbereich.

Das größte Problem unserer Stadt sind aber die Finanzen. Die Ursachen für diese Lage sind vielfältig: Die Unterfinanzierung durch das Land für immer mehr Aufgaben ist eine Ursache. Aber auch vor Ort wurden in der Vergangenheit in bester Absicht Entscheidungen gefällt, die sich heute als wirtschaftlich nicht vorteilhaft herausstellen.

In dieser Situation haben sich die Politik und die Verwaltung zusammengesetzt und ein Konzept zur Sanierung der städtischen Finanzen bis zum Jahr 2020 erarbeitet. Über alle Parteigrenzen hinweg wurde hart gerungen, wurden Argumente abgewogen und zum Schluss ein Konzept erstellt, dass allen als tragbar erscheint – auch wenn es für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Verwaltung, harte Einschnitte mit sich bringen wird. Letztlich ist dieser Weg aber die einzige Möglichkeit, unsere Stadt handlungsfähig und damit lebens- und liebenswert zu erhalten.

Vieles wird in Zeiten knapper Kassen nur durch mehr Gemeinsinn zu verwirklichen sein. Dazu möchte ich mit einem Märchen enden: Ein Mann erhielt durch eine besondere Fügung die Gelegenheit, sich Himmel und Hölle anzusehen. Zunächst wurde er in einen Raum geführt, in dem dürre Gestalten versuchten, sich mit einem viel zu langen Löffel, die Suppe, die auf dem Tisch stand, in den Mund zu führen. Doch wie immer sie auch versuchten ihre Gier nach der Suppe zu befriedigen, es war unmöglich. Das war zweifellos die Hölle. Dann wurde der Mann in den nächsten Raum geführt. Das gleiche Bild: die Suppe, die viel zu langen Löffel – und dennoch waren hier alle kugelrund, gut gelaunt und fröhlich. Mit den langen Löffeln haben sie sich nämlich gegenseitig gefüttert. Der Unterschied zwischen Himmel und Hölle liegt nicht daran, wie viel wir haben, sondern wie wir uns verhalten.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine frohe Weihnachtszeit, Frieden, einen guten Übergang ins neue Jahr. Ich würde mich freuen, Sie am 1. Februar 2013 zum Neujahrsempfang im Kloster begrüßen zu dürfen.

Ihr Rainer Sens
Bürgermeister

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